Clean-Klettern

Sauber Klettern heisst keine Spuren zu hinterlassen. Bohrhaken können nicht mehr vollständig entfernt werden und gelten daher als nicht sehr schonend im Umgang mit der Ressource «Fels». Der Begriff «Clean klettern» bezieht sich also auf den Sicherungsstil und bedeutet, dass man Sicherungspunkte setzt, die man nach deren Einsatz wieder entfernen kann. Weil man früher vorwiegend so geklettert ist, wird dieser Sicherungsstil auch «Trad-Klettern» genannt. Als mobile Sicherungsmittel verwendet man meist Klemmkeile (Nuts, Rocks) und Klemmgeräte (Friends, Cams etc.) Diese und ähnliche Sicherungsmittel beruhen auf dem Klemmprinzip. Im Belastungszustand werden sie entweder in einen nach unten zusammenlaufenden Riss gequetscht (Klemmkeile) oder bauen Druck gegen die Seitenwände auf (Klemmgeräte). Je nach Gestein können die einen oder anderen Sicherungsmittel öfter eingesetzt werden. Im Schrattenkalk, ein stark durch Wassereinfluss erodierter Kalkstein wie man ihn in den Alpen oft findet, kann man beispielsweise oft Bandschlingen in sogenannte Sanduhren fädeln.

 

 

Was macht das Clean-Klettern reizvoll?

Viele Kletterer/innen halten intuitiv erst mal Abstand vom Trad-Klettern: Wie soll man denn einem Sicherungspunkt vertrauen, wen man diese gleich wieder, in der Regel sogar ohne Kraftaufwand, entfernen kann? Nun ja, wie bei so vielen Tätigkeiten ist es auch hier wesentlich, dass man sich zuerst das nötige Wissen und die entsprechenden Fertigkeiten aneignet. Und genau das macht eben auch einen wesentlichen Teil des Reizes aus: Du musst lernen den Fels «zu lesen», du musst lernen welche Sicherungsmittel du in welcher Situation einsetzt, wie sie funktionieren, was der Fels im Belastungszustand in etwa aushält und so weiter. Das Clean-Klettern ist also wesentlich komplexer als das Sportklettern und erfordert entsprechend mehr Know-How und mehr Skills.

Absicherbarkeit und Schwierigkeit

Wenn du aufmerksam mitgedacht hast, hast du vielleicht erkannt, dass der Strukturierungsgrad eines Gesteins für die Absicherung einer Route entscheidend ist. Ist ein Abschnitt einer Felswand frei von Rissen, Sanduhren, Löchern u.ä., dann kann man diese Route auch nicht mobil absichern. Deshalb bewerten beispielsweise die Briten nicht nur die Schwierigkeit, sondern auch die Ernsthaftigkeit einer Route. Eine Plattenkletterei kann einfach sein ohne die Möglichkeit, einen Sicherungspunkt zu setzen. Andererseits kann ein Überhang sehr streng und sehr gut absicherbar sein. Es ist also wichtig, seine Kompetenzen richtig einzuschätzen, bevor man sich für eine Clean-Begehung entscheidet.

Eignet sich das Clean-Klettern für dich?

Clean-Kletterer erkennt man unter anderem daran, dass sie leidenschaftlich gern ihr Kletter-Ausrüstung sortieren, ihre Lieblings-Klemmgeräte besonders pflegen und von den nächsten Abenteuern träumen. Natürlich lernt man auch Rissklettern: Eine ganz eigene Kletterdisziplin! Zudem sollten Komplexität, Selbsteinschätzung, Variationsreichtum, Entdeckergeist, Umgang mit einem Anteil von Unsicherheit, eine Affinität zu technischen Geräten, ein Gefühl für Kräfte und Eigenschaften des Gesteins und ökologisches Bewusstsein reizvoll für dich sein. So viel ist jedenfalls klar: Es wird nie langweilig und deine Möglichkeiten sind enorm!