Sportklettern

Sportklettern bedeutet sich aus eigener Kraft und mit motorisch-koordinativer Geschicklichkeit in der Vertikalen aufwärts zu bewegen. Weil zur Fortbewegung keine technischen Hilfsmittel benutzt werden, wird dieser Kletterstil auch “Free Climbing” bzw. “Freiklettern” genannt. Das freie Klettern ist ein Überbegriff für alle Freikletterstile, zu denen auch das fälschlicherweise oft als Synonym verwendete, ungesicherte Free Solo-Klettern gehört. Das Sportklettern war bis Ende der 90er Jahre wenig bekannt oder wurde oft verkannnt als eine Sportart für Verrückte oder Wagemutige. In den letzten Jahren hat aber auch die grosse Masse diesen Sport entdeckt, denn die Vorzüge sind vielfältig. Der immer präsente mentale Aspekt ist vielleicht der markanteste Charakterzug des Klettersports und möglicherweise sogar hauptverantwortlich für den Kletterboom!

Vorsteigen: Das beliebteste Sicherungssystem

Die meisten Kletterer/innen begeistern sich vor allem für das Vorsteigen. Der Vorsteiger klinkt das Seil beim Hinaufklettern fortlaufend in Zwischensicherungen ein bevor er dann zum Schluss die Umlenkung am Routen-Top einhängt. Gesichert wird man dabei von einem vertrauenswürdigen Kletterpartner, der am Boden bleibt und einen allfälligen Sturz über die Seilsicherung weich abfängt. Ein zuverlässiges Sicherungssystem, eine gute Ausbildung und das Einhalten von Sicherheitsstandards sorgen dafür, dass dir nichts passiert wenn du fällst.

Man kann sich auch so sichern lassen, dass man bei einem Sturz nie im freien Fall ist, sondern gleich vom Seil weich aufgefangen wird. Dieses Sicherungssystem nennt man Top-Rope, weil das Seil bereits am obersten Punkt der Route umgelenkt ist. Der Sicherungspartner steht auch bei dieser Art zu sichern am Boden. Dieses Sicherungssystem wird gerne für Einsteigerkurse verwendet, da es weniger komplex zu bedienen ist als das Vorstiegs-System.

Wie klettert man eine Route “rotpunkt”?

Eine Route “rotpunkt” zu klettern, oder umgangssprachlich zu “punkten”, bedeutet: Eine Kletterroute im Vorstieg bis zum Ende durchzusteigen, ohne das Sicherungssystem zu belasten. Diese Bezeichnung hat ihren Urpsrung in den Anfängen des Sportkletterns und wurde von den beiden Sportkletterpionieren Kurt Albert und Wolfgang Güllich ins Leben gerufen, in dem jede durchgekletterte Route mit einem roten Punkt gekennzeichnet wurde. Eine Route gilt grundsätzlich erst als geklettert, wenn man sie gepunktet hat. Natürlich steht es jedem frei, seine Leistung so zu definieren, wie er will. Klettern bedeutet für jeden etwas anderes: Während für die einen nur der Schwierigkeitsgrad entscheidend ist, haben andere vor allem Freude an den Bewegungen, am Austüfteln von spannenden Kletterstellen oder an der Auseinandersetzung mit den mentalen Herausforderungen.

Die Möglichkeit zu stürzen bewirkt, dass die mentalen Aspekte beim Sportklettern fast wichtiger sind als die physische Kraft: Nur wer den funktionalen Umgang mit den Ängsten lernt, kann das eigene Kletterpotential optimal entfalten. Die Kombination von Kraft, Geschick, Bewegungskreativität und mentalen Strategien macht das Klettern so vielschichtig und spannend. Wenn du kletterst, dann passiert es deshalb nicht selten, dass du weiterkommst als nur bis zum Routentop!