Der Klettersport hat viele Facetten!

Hier geben wir dir einen Überblick zu den verschiedenen Kletterdisziplinen und leiten dich weiter zu Angeboten und Hinweisen auf www.kletterwelt.ch, damit du mehr darüber erfahren kannst.

Bouldern in Fontainbleau über einem Wild Country Crashpad

Bouldern

Bouldern heisst klettern ohne Seil in Absprunghöhe.
Vorstiegklettern im Jura

Sportklettern

Motorisch-koordinative Geschicklichkeit in der Vertikalen.​
Seilschaft wirft beim beim Abseilen beim Mehrseillängenklettern das Seil die Wand hinunter

Mehrseillängen

Manchen ist eine Seillänge im Klettergarten einfach nicht genug.​
Kursteilnehmerin platziert ein Keil in einem perfekten Riss

Clean Klettern​

Sauber Klettern heisst keine Spuren zu hinterlassen.

Bouldern

Was von dir als Absprunghöhe betrachtet wird, kannst du selber entscheiden. Beim Outdoor-Bouldern geht es meist darum, auf einen Felsblock hinauf zu kommen (Boulder = Felsblock), oft klettert man auch quer in Bodennähe (Traversieren). Es sind meistens kürzere Kletterstrecken mit 5 bis 15 Kletterzügen an 2 bis 3 Meter hohen Blöcken.

Manchmal sind die Blöcke natürlich auch weniger hoch, manchmal höher, so dass du deinen Block nach deinen Vorlieben auswählen kannst. Das Bouldern ist vielleicht die spielerischste Form des Klettersports. Man braucht wenig Material, die Gefahrenmomente sind gut einschätzbar und es ist ein sehr gesellschaftlicher Sport.

Mit Bouldern zu beginnen ist einfach​

Wenn man mit Bouldern startet, dann lohnt sich der Besuch eines kurzen Grundkurses, um schnell und sicher ein bisschen auf Touren zu kommen. Wenn du auch draussen Bouldern willst gibt es ein paar wichtige Sicherheitsaspekte mehr als drinnen, die du kennen musst. Zudem bekommst du natürlich viele Inputs zur Bewegungsplanung und -umsetzung, nützliche Tipps zur Ausrüstung und deren Gebrauch und du lernst Leute mit gleichen Interessen kennen.

Der Besuch von Vertiefungskursen lohnt sich dann, wenn es der richtige Zeitpunkt  für dich ist. Meist ist dies der Fall, wenn du keine deutlichen Fortschritte machst oder du schneller vorwärts kommen willst.

Mit Geschicklichkeit kommst du schon mal weit

Gefragt sind zuerst einmal motorisches Geschick, Koordination, Beweglichkeit und Gleichgewicht. Zudem muss man zu Beginn lernen, was man als Tritte und Griffe betrachten darf und die Bewegungen bzw. Kletterzüge dann in die richtige Abfolge bringen. Eigentlich geht es beim Bouldern vorallem um Problemlösungsaufgaben.

Du hast bestimmte Felsstrukturen zur Verfügung und musst herausfinden, wie du dich daran hinauf bewegen kannst. Immer wieder sind es kleine Details, die dir schlussendlich zum Erfolg verhelfen. Eine Ferse ist mehr eingedreht, der Körperschwerpunkt wird anders verlagert oder ein Griff anders gehalten. Das sorgt beim Bouldern immer wieder für glückliche Überraschungen und lustige Erkenntnisse und macht es darum für Einsteiger so attraktiv sowie für alle Kletternden extrem lehrreich. Je schwieriger die Boulder werden, desto mehr ist dann auch Kraft gefragt.

Sportklettern

Sportklettern bedeutet sich aus eigener Kraft und mit motorisch-koordinativer Geschicklichkeit in der Vertikalen aufwärts zu bewegen. Weil zur Fortbewegung keine technischen Hilfsmittel benutzt werden, wird dieser Kletterstil auch “Free Climbing” bzw. “Freiklettern” genannt. Das freie Klettern ist ein Überbegriff für alle Freikletterstile, zu denen auch das fälschlicherweise oft chf30_234 als Synonym verwendete, ungesicherte Free Solo-Klettern gehört.

Das Sportklettern war bis Ende der 90er Jahre wenig bekannt oder wurde oft verkannnt als eine Sportart für Verrückte oder Wagemutige. In den letzten Jahren hat aber auch die grosse Masse diesen Sport entdeckt, denn die Vorzüge sind vielfältig. Der immer präsente mentale Aspekt ist vielleicht der markanteste Charakterzug des Klettersports und möglicherweise sogar hauptverantwortlich für den Kletterboom!

Vorsteigen: Das beliebteste Sicherungssystem

Die meisten Kletterer/innen begeistern sich vor allem für das Vorsteigen. Der Vorsteiger klinkt das Seil beim Hinaufklettern fortlaufend in Zwischensicherungen ein bevor er dann zum Schluss die Umlenkung am Routen-Top einhängt. Gesichert wird man dabei von einem vertrauenswürdigen Kletterpartner, der am Boden bleibt und einen allfälligen Sturz über die Seilsicherung weich abfängt. Ein zuverlässiges Sicherungssystem, eine gute Ausbildung und das Einhalten von Sicherheitsstandards sorgen dafür, dass dir nichts passiert wenn du fällst.

Man kann sich auch so sichern lassen, dass man bei einem Sturz nie im freien Fall ist, sondern gleich vom Seil weich aufgefangen wird. Dieses Sicherungssystem nennt man Top-Rope, weil das Seil bereits am obersten Punkt der Route umgelenkt ist. Der Sicherungspartner steht auch bei dieser Art zu sichern am Boden. Dieses Sicherungssystem wird gerne für Einsteigerkurse verwendet, da es weniger komplex zu bedienen ist als das Vorstiegs-System.

Wie klettert man eine Route “rotpunkt”?

Eine Route “rotpunkt” zu klettern, oder umgangssprachlich zu “punkten”, bedeutet: Eine Kletterroute im Vorstieg bis zum Ende durchzusteigen, ohne das Sicherungssystem zu belasten. Diese Bezeichnung hat ihren Urpsrung in den Anfängen des Sportkletterns und wurde von den beiden Sportkletterpionieren Kurt Albert und Wolfgang Güllich ins Leben gerufen, in dem jede durchgekletterte Route mit einem roten Punkt gekennzeichnet wurde. Eine Route gilt grundsätzlich erst als geklettert, wenn man sie gepunktet hat. Natürlich steht es jedem frei, seine Leistung so zu definieren, wie er will. Klettern bedeutet für jeden etwas anderes: Während für die einen nur der Schwierigkeitsgrad entscheidend ist, haben andere vor allem Freude an den Bewegungen, am Austüfteln von spannenden Kletterstellen oder an der Auseinandersetzung mit den mentalen Herausforderungen.

Die Möglichkeit zu stürzen bewirkt, dass die mentalen Aspekte beim Sportklettern fast wichtiger sind als die physische Kraft: Nur wer den funktionalen Umgang mit den Ängsten lernt, kann das eigene Kletterpotential optimal entfalten. Die Kombination von Kraft, Geschick, Bewegungskreativität und mentalen Strategien macht das Klettern so vielschichtig und spannend. Wenn du kletterst, dann passiert es deshalb nicht selten, dass du weiterkommst als nur bis zum Routentop!

Mehrseillängen-Klettern

Manchen ist eine Seillänge im Klettergarten einfach nicht genug. Sie wollen eine Wand durchsteigen, einen Gipfel erreichen, eine Tour planen und spannende Situationen meistern. Anderen geht es auch um das Naturerlebnis, die Aussicht oder den konditionellen Aspekt.

Unterm Strich ist das Klettern mehrerer Seillängen immer um ein vielfaches Erlebnis- und Facettenreicher als das Einseillängen-Sportklettern. Es muss daher auch nicht unbedingt nur darum gehen, möglichst schwer zu klettern.

Eine andere Perspektive und ein anderes Lebensgefühl

Beim Mehrseillängen-Klettern ist man in einer Wand unterwegs. Man klettert Seillänge um Seillänge höher und dabei wird die Aussicht stetig besser. Oft ist das Klettern einer Mehrseillängentour eine Tagesunternehmung. Bei ganz chf20_736 grossen, schwierigeren Wänden sind die Top-Kletterer manchmal sogar mehr als einen Tag in der gleichen Wand unterwegs.

Für die Dauer der Kletterei ist man in der Wand zuhause. Die horizontale Welt ist nah, aber doch sehr fern. Man verzichtet auf vieles und schätzt alles Entbehrte danach umso mehr. Der klassische Sicherungsstil bringt es mit sich, dass man seinen Seilpartner nur jeweils für ein kurzes Gespräch und einen Materialaustausch am Stand trifft. Danach ist man wieder für eine Seillänge alleine und verbringt die Zeit entweder sichernd oder kletternd.

Seiltechnik und -taktik sind entscheidend

Bei Mehrseillängen-Touren bedeutet Geschwindigkeit auch Sicherheit. Schnell sein kann man, wenn man die Fertigkeiten gut beherrscht. Falls etwas nicht so läuft wie geplant muss man für einen Plan B gerüstet sein: Ein gewisses Spektrum an Seil- und Sicherungstechniken sollte von Anfang an beherrscht werden. Wenn die Tourenprojekte dann grösser werden, sollten die Kompetenzen entsprechend ausgebaut werden. In unseren Grundausbildungen und Vertiefungskursen bereiten wir dich umsichtig auf deine Abenteuer vor.

Clean-Klettern

Sauber Klettern heisst keine Spuren zu hinterlassen. Bohrhaken können nicht mehr vollständig entfernt werden und gelten daher als nicht sehr schonend im Umgang mit der Ressource «Fels». Der Begriff «Clean klettern» bezieht sich also auf den Sicherungsstil und bedeutet, dass man Sicherungspunkte setzt, die man nach deren Einsatz wieder entfernen kann.

Weil man früher vorwiegend so geklettert ist, wird dieser Sicherungsstil auch «Trad-Klettern» genannt. Als mobile Sicherungsmittel verwendet man meist Klemmkeile (Nuts, Rocks) und Klemmgeräte (Friends, Cams etc.) Diese und ähnliche Sicherungsmittel beruhen auf dem Klemmprinzip. Im Belastungszustand werden sie entweder in einen nach unten zusammenlaufenden Riss gequetscht (Klemmkeile) oder bauen Druck gegen die Seitenwände auf (Klemmgeräte).

Je nach Gestein können die einen oder anderen Sicherungsmittel öfter eingesetzt werden. Im Schrattenkalk, ein stark durch Wassereinfluss erodierter Kalkstein wie man ihn in den Alpen oft findet, kann man beispielsweise oft Bandschlingen in sogenannte Sanduhren fädeln.

Was macht das Clean-Klettern reizvoll?

Viele Kletterer/innen halten intuitiv erst mal Abstand vom Trad-Klettern: Wie soll man denn einem Sicherungspunkt vertrauen, wen man diese gleich wieder, in der Regel sogar ohne Kraftaufwand, entfernen kann?

Nun ja, wie bei so vielen Tätigkeiten ist es auch hier wesentlich, dass man sich zuerst das nötige Wissen und die entsprechenden Fertigkeiten aneignet. Und genau das macht eben auch einen wesentlichen Teil des Reizes aus: Du musst lernen den Fels «zu lesen», du musst lernen welche Sicherungsmittel du in welcher Situation einsetzt, wie sie funktionieren, was der Fels im Belastungszustand in etwa aushält und so weiter.

Das Clean-Klettern ist also wesentlich komplexer als das Sportklettern und erfordert entsprechend mehr Know-How und mehr Skills.

Absicherbarkeit und Schwierigkeit

Wenn du aufmerksam mitgedacht hast, hast du vielleicht erkannt, dass der Strukturierungsgrad eines Gesteins für die Absicherung einer Route entscheidend ist. Ist ein Abschnitt einer Felswand frei von Rissen, Sanduhren, Löchern u.ä., dann kann man diese Route auch nicht mobil absichern. Deshalb bewerten beispielsweise die Briten nicht nur die Schwierigkeit, sondern auch die Ernsthaftigkeit einer Route.

Eine Plattenkletterei kann einfach sein ohne die Möglichkeit, einen Sicherungspunkt zu setzen. Andererseits kann ein Überhang sehr streng und sehr gut absicherbar sein. Es ist also wichtig, seine Kompetenzen richtig einzuschätzen, bevor man sich für eine Clean-Begehung entscheidet.

Eignet sich das Clean-Klettern für dich?

Clean-Kletterer erkennt man unter anderem daran, dass sie leidenschaftlich gern ihr Kletter-Ausrüstung sortieren, ihre Lieblings-Klemmgeräte besonders pflegen und von den nächsten Abenteuern träumen. Natürlich lernt man auch Rissklettern: Eine ganz eigene Kletterdisziplin!

Zudem sollten Komplexität, Selbsteinschätzung, Variationsreichtum, Entdeckergeist, Umgang mit einem Anteil von Unsicherheit, eine Affinität zu technischen Geräten, ein Gefühl für Kräfte und Eigenschaften des Gesteins und ökologisches Bewusstsein reizvoll für dich sein. So viel ist jedenfalls klar: Es wird nie langweilig und deine Möglichkeiten sind enorm!